|
Geschichte
1911/12 Das Festspielhaus wird als
Tanz- und Rhythmikschule erbaut. Der Entwurf stammt vom
Architekten Heinrich Tessenow, der die Visionen vom schweizer
Theatertheoretiker und Bühnenbildner Adolphe Appia und
Emile-Jaques Dalcroze, dem Rhythmikpädagogen, in ein Raumgefüge
umsetzt, das durch seine Klarheit und funktionale Bauweise
richtungsweisend für die Moderne wird. Initiator ist Wolf Dohrn,
ein enger Mitarbeit Karl Schmidt´s, des Begründers der ersten
deutschen Gartenstadt Hellerau.
1914-1920 Emile Jaquez-Dalcroze kehrt
nach Genf zurück. Wolf Dohrn stirbt bei einem Skiunfall. Die
Glanzzeit geht zu Ende. Verschiedene Pädagogen versuchen die
Idee Dalcroze weiterzuführen.
1925-1938 Die Tanz- und Rhythmikschule
zieht um nach Wien-Laxenburg. Nutzung für Wohn- und
Gewerbezwecke. Es finden sporadische Schauspiel- und
Opernaufführungen statt. Der Gebäudekomplex soll
Reichs-Opern-Festspielort werden.
1939-1945 Das Festspielhaus wird als
Polizeischule umgebaut. Grobe bauliche Veränderungen zerstören
die ursprüngliche Funktionsweise des großen Saals. Die Straße
über den Platz wird durch zwei Kasernenflügel verbaut, denen
auch die Schülerwohnhäuser weichen müssen. Die Wehrmacht nutzt
das Gelände als Kaserne. Der große Saal wird Sporthalle.
1945-1992 Der bauliche Verfall wird
durch die 37-jährige Besatzung der Sowjetarmee nicht
aufgehalten. Über dem Yin-Yang-Zeichen prankt ein Sowjetstern.
Das Festspielhaus dient als Lazarett, als Sporthalle und als
Kaserne für Fallschirmjäger.
1992 Das Bundesvermögensamt bewacht
das Gelände nach dem Abzug der russischen Soldaten. Am 27.9.
öffnen sich erstmals nach 57 Jahren die Tore für die
Öffentlichkeit. Das Festspielhausgelände wird Eigentum des
Freistaates Sachsen.
1994 Besitzeinweisung durch den
Freistaat Sachsen an die "Europäische Werkstatt für Kunst- und
Kultur Hellerau e.V." ABM-Kräfte entkernen die Gebäude. Das Dach
des großen Saals erhält eine Notsicherung.
1995 Das Dach des westlichen Flügels
wird neu gedeckt. Auf einem Internationalen Symposium "Hellerau
Stand Ort Bestimmung" diskutieren Experten Konzepte für die
Revitalisierung. Ein Memorandum wird verabschiedet, das im Buch
"Entwurf zur Moderne" (Hrsg. Werner Durth) veröffentlicht wird.
1996 Zwei der vier Pensionshäuser am
Platz werden saniert. Das Dach des östlichen Seitenflügels wird
saniert.
1997 Ein städtebaulicher
Ideenwettbewerb wird ausgelobt. Der Entwurf der
Landschaftsarchitekten Susanne Burger und Stefan Tischer
(Berlin) mit Paola Cannavò (Rom) wird als Grundlage für die
weiteren Planungen (Flächennutzungsplan) vorgeschlagen. Ihr
Beitrag sieht eine künstlerische Nutzung des Geländes vor, wo
Stipendiaten arbeiten, ausstellen und vorführen. Vision: "Die
europäische Akademie für Stipendiaten und Kulturschaffende in
einem großzügigen aber dennoch bescheidenen baulichen Rahmen."
1997/98 Das Foyer und die beiden
Treppenhäuser im Festspielhaus werden nach altem Vorbild
rekonstruiert. Das Festspielhaus Hellerau wird in die Liste der
100 schützenswertesten Gebäude der UNESCO aufgenommen.
1998 Die Festspielhaus Hellerau gGmbH
wird von drei Gesellschaftern, der "Europäischen Werkstatt für
Kunst und Kultur Hellerau e.V.", der Heinrich-Tessenow-Stiftung
und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen gegründet. Sie
ist verantwortlich für die Wiederbelebung des Ortes und die
bauliche Instandsetzung.
1999 Ein Realisierungswettbewerb für
die Nutzung des Festspielhauses und der seitlichen Nebengebäude
wird ausgelobt. Die Freitreppe vor dem Festspielhaus erhält ihre
ursprüngliche Form zurück. Im Foyer und den Seitenstudios macht
der Einbau einer provisorischen Heizungsanlage den ganzjährigen
Spielbetrieb ab dem Winter 2000 möglich. Die Arbeiten zur
Sanierung der zwei anderen Pensionshäuser beginnen.
2000 Am 7. April feiert das
Festspielhaus mit großem Bahnhof und in Anwesenheit von
Kultur-Staatsminister Meyer das Richtfest. Im Juni sind die
Bauarbeiten am Dach des großen Saales abgeschlossen. Der
Realisierungswettbewerb wird entschieden. Die Jury empfiehlt,
den Entwurf der Münchner Architekten Meier-Scupin & Petzet als
Grundlage für die weiteren Planungen. |