Die
ältesten Objekte des Museums
für Völkerkunde, die sich
teilweise schon zu kleinen
Sammlungen fügten, stammen
aus der 1560 von Kurfürst
August von Sachsen
gegründeten Kunstkammer. Die
fürstliche Sammeltätigkeit
wurde im 16. und 17.
Jahrhundert intensiv
fortgeführt. Der anwachsende
Objektbestand fand neben der
Kunstkammer auch in den
Rüstkammern Aufnahme. In
sogenannten Inventarien
wurden diese Sammlungen
erfasst und beschrieben. Vor
allem unter August dem
Starken, seit 1794 König von
Polen, ist in den nunmehr
königlichen Sammlungen ein
enormer Zuwachs an
Ethnographica zu
verzeichnen.
1875 gründete der Mediziner
Hofrat Adolf Bernhard Meyer
im Zuge der fortschreitenden
Differenzierung von Natur-
und Geisteswissenschaften
eine ethnographische
Abteilung im
Naturhistorischen Museum.
Drei Jahre später erhielt es
den Namen Königliches
Zoologisches und
Anthropologisch-Ethnographisches
Museum. Seine Arbeitsräume
und Schausammlungen befanden
sich zu diesem Zeitpunkt im
Dresdner Zwinger.
Als Mitglied der
"Gesellschaft der deutschen
Naturforscher und Ärzte" war
Meyer, der in regem
Austausch mit anderen
Universalgelehrten seiner
Zeit wie etwa Rudolf Virchow
oder Adolf Bastian stand,
ganz der Wissenschaft
verpflichtet. Unter seiner
Leitung entwickelte sich das
neugegründete Museum zu
einer fachwissenschaftlichen
Institution, gewidmet der
Forschung und Bildung. Im
Mittelpunkt des
wissenschaftliche Interesses
standen damals materielle
Zeugnisse von Völkern und
Regionen, in denen man –
geprägt vom damals
fortschrittlichen
Evolutionismus – einen
Urzustand der
Menschheitsentwicklung zu
erkennen glaubte.
Hauptforschungs- und
Sammelgebiet war in dieser
Zeit der
indonesisch-ozeanische Raum.
Meyer gelang es, zahlreiche
Förderer für das Museum zu
gewinnen. Allen voran ist
Arthur Baessler zu nennen,
der die Sammlungen um mehr
als 5000 Objekte von heute
unschätzbarem Wert
bereicherte.
Oberstes Ziel des zweiten
Direktors Arnold Jacobi war
es, alle Sammlungsbereiche
mit Fachspezialisten zu
besetzen. Die damit am
Museum tätigen Zoologen,
Anthropologen und Ethnologen
übernahmen parallel zu ihrer
Museumsarbeit Lehraufträge
an sächsischen Akademien.
Der dadurch gegebene
permanente Austausch von
Sammlung, Forschung und
Lehre garantierte eine hohe
Qualität und Aktualität bei
wissenschaftlichen
Publikationen sowie
wissenschaftlich fundiertes
Vorgehen bei der Erweiterung
der Sammlungen und deren
Dokumentation.
In der Zeit des Dritten
Reiches, die zur fast
vollständigen Zerstörung von
Teilen Dresdens führte,
konnten die Museumsbestände
dank günstiger Umstände
rechtzeitig ausgelagert
werden. Einzig die in einer
Ausstellung in der Orangerie
„An der Herzogin Garten“
befindlichen Objekte, zu
denen leider bedeutende
Großobjekte gehörten, wurden
zerstört. Auch der Verlust
von Teilen der historischen
Bildsammlung muss beklagt
werden. Bereits 1946 konnten
die ausgelagerten Bestände
den nun getrennten
Staatlichen Museen für
Völkerkunde und für
Tierkunde wieder zur
Verfügung gestellte werden.
Die anthropologische
Sammlung wurde in die
Bestände des Museums für
Völkerkunde eingegliedert.
1954 bezog das Museum für
Völkerkunde Räume im
Japanische Palais.
Drei Jahre später stand dem
Museum mit Siegfried Wolf
wieder ein
fachwissenschaftlicher
Leiter vor. Unter seiner
Leitung wurde vor allem die
Afrikaforschung forciert
sowie die ergologischen und
technologischen
Studiensammlungen mit
weltweiten Belegen ergänzt.
Die dominierenden Quellen
des Sammlungsausbaus nach
1945 waren Privatsammlungen
und der staatliche Handel.
Daneben kamen aber auch
Belege aus regionalen
Studien hinzu. Das
kulturpolitische Ziel dieser
Zeit war nunmehr die
historische Dokumentation
des kulturellen Schaffens
der Völker der Welt. Zu
verstärkten Feldforschungen
durch wissenschaftliche
Mitarbeiter des Museums kam
es nach 1989. So wurden u.
a. Untersuchungen und
Objektankäufe in Tunesien,
Brasilien, Indonesien und
Papua-Neuguinea vorgenommen.
Gegenwärtig umfasst die
ethnographische Sammlung ca.
90.000 Objekte, welche seit
1881 in Katalogen und
regionalen Karteien erfasst
und dokumentiert werden.
1999 wurde für die
Sammlungen ein modernes
Depot- und Funktionsgebäude,
der A. B. Meyer-Bau, in
Dresden-Klotzsche errichtet.
Auf Beschluss des
Sächsischen
Staatsministeriums für
Wissenschaft und Kunst
fusionierten im Jahr 2004
das Völkerkundemuseum zu
Leipzig und das Staatliche
Museum für Völkerkunde
Dresden mit der Außenstelle
Völkerkundemuseum Herrnhut
zu den Staatlichen
Ethnographischen Sammlungen
Sachsen unter Leitung des
Ethnologen und Amerikanisten
Claus Deimel.